Push-up für die Seele
von Inken Witt, Redakteurin der Zeitschrift FÜR SIE
Ein Stück Schokolade für bessere Stimmung, Kaffee, um die Lebensgeister
zu wecken, und eine Tablette, wenn der Kopf dröhnt: Alles überflüssig,
meint der US-Bestseller-Autor John Gray in seinem neuesten Buch “Mars
und Venus. Wunder werden wahr“. Der Kommunikationspsychologe glaubt,
dass in jedem von uns die Energie steckt, um gelassen, fit und gesund, durchs
Leben zu gehen. Man muss nur wissen, wie man sein inneres Kraftpotenzial weckt,
das unser Wohlgefühl stärken und unsere Selbstheilungskräfte
aktivieren kann. Häufig nutzen wir diese Fähigkeit unbewusst, wie
Studien aus der Schmerzforschung zeigen. So hatte ein Placebo bei Kopfschmerzpatienten
eine Erfolgsquote von 30 Prozent. Allein das Vertrauen darauf, dass die Schmerzen
verschwinden würden, ließ sie tatsächlich vergehen. Warum also
nicht mit Willenskraft und speziellen Energie-Übungen gezielt etwas für
Gesundheit und gute Laune tun? Lesen Sie, wie Sie in neun Schritten Ihr inneres
Energie-Depot auffüllen.
1. Energie-Blocker spüren
Schlafmangel, einseitige Ernährung, chronische Überanstrengung -
dass das echte Kraft-Fresser sind, leuchtet jedem ein. Dieser kontinuierliche
Raubbau stört die Kommunikation zwischen den Körperzellen und hemmt
den Energiefluss. Doch es gibt auch psychische Kraft-Killer: Ein schlecht gelaunter
Gastgeber kann eine ganze Party sprengen, ein chronischer Miesmacher selbst
Optimisten die Lust nehmen – und das, ohne ein Wort zu sagen. Die Berliner
Diplom-Psychologin Christa Traczinski. “Wir spüren einfach, wenn
es jemandem nicht gut geht oder einer genervt ist.“ Das bestätigen
auch die Forschungen des Wissenschaftlers Adem Kapur. In dem von ihm gegründeten
Institut für Energologie in Hannover prüfen er und sein Team, welche
Energieformen den Menschen, seine Gesundheit und Psyche, beeinflussen. Kapur
ist sicher: “Ein Großteil der Kommunikation läuft über
Emotionen - allerdings haben wir kein Bewusstsein dafür.“ Es ist,
als gingen schlechte Schwingungen vom Gegenüber aus. Erste Hilfe: Stellen
Sie sich vor, ein weißer Lichtmantel umgibt Sie und blockt die schlechten
Strahlen des Gegenübers ab. Sie leiden selbst manchmal unter Stimmungsschwankungen,
fühlen sich schlapp? Dann starten Sie ein Brainstorming in eigener Sache.
Christa Traczinski: “Wer wissen will, warum er sich nicht wohl in seiner
Haut fühlt, stündig matt ist oder oft überdreht, muss erst einmal
herausfinden, woran das liegt.“ Dazu gehört eine geschulte Selbstwahrnehmung.
Die vermittelt die Berlinerin in Seminaren zum inneren Energie-Management.
So können auch Sie Ihre Balance wiederfinden:
2. Energie-Management von innen starten
Eine gute Methode, Energieblockaden aufzuspüren, ist ganz simpel. Sie
brauchen nur fünf Minuten Ruhe. Legen Sie sich auf den Boden und “scannen“ Sie
ihren Körper. Von den Zehen bis zum Haaransatz. Wie fühlen sich Arme,
Beine, Bauch an? Wo sind Muskeln verhärtet? Stellen Sie sich dann vor,
mit jedem Einatmen neue, wärmende Kraft in den schmerzenden Bereich zu
schicken. Mit dem Ausatmen leiten Sie verbrauchte Energie aus Ihrem Körper.
Christa Traczinski: “Viele müssen beim Gedanken daran erst einmal
kichern.“ Geben Sie sich Zeit. Eine Erkältung besiegt der Körper
ja auch nicht von jetzt auf gleich. Beginnen Sie anschließend mit der
Ursachenforschung für Energie-Lecks: Ist der verspannte Rücken die
Folge langer Schreibtischarbeit? Oder sitzt Ihnen eine neue Aufgabe buchstäblich
im Nacken? Im ersten Fall können Sie leicht gegensteuern (Sport, Sitzkissen,
Massage). Doch auch innere Ursachen können Sie ausschalten: “Alles
eine Frage der Einstellung“, so US-Experte John Gray.
3. Energie-Sparplan
Wer seine Reaktion auf Stress, Streit, Ärger durchschaut, kann sie ändern.
Das ist vielleicht unbequem, aber äußerst wirksam. Fragen Sie sich
zum Beispiel nach einem Streit mit Ihrem Partner: “Ist es wirklich so
wichtig, dass er sich zuerst entschuldigt, nur weil ich mich im Recht fühle?“ Und: “Was
verliere ich, wenn ich den ersten Schritt mache?" Es raubt viel mehr Energie,
sich ständig zu ärgern und dadurch Magenschmerzen oder Muskelverspannungen
zu riskieren, als einmal über seinen Schatten zu springen! Wer auf andere
zugeht, tut also auch sich selbst einen Gefallen.
4. Energie-Tanks füllen
Einige Situationen, die sind echte Energie-Vampire. Seien Sie darauf vorbereitet
und schaffen Sie ein Kraft-Depot. Angenommen, Sie arbeiten mit einem nervigen
Kollegen zusammen. “Stellen Sie sich einfach vor, dass Sie in seiner
Nähe sein können, ohne sich zu ärgern“, rät John
Gray. Entwickeln Sie aus diesem Gedanken ein richtiges Drehbuch, das Sie jeden
Morgen wiederholen. Der Trick wirkt, weil Sie davon ausgehen, dass der Tag
gut wird - Placeboeffekt.
Bei extremem Stress wecken Atemübungen Ihr Energie-Potenzial. Atmen Sie
tiefer als normal und konzentrieren Sie sich auf Ihre Bauchdecke. Spüren
Sie, wie die frische Luft Sie durchströmt und erfrischt. Christa Traczinski: “Wer
sich dann noch dehnt uns streckt, befördert negative Energie, die sich
im Körper staut, aus sich heraus.“
Wem “nur Atmen“ nicht reicht, kann auch andere Relax-Techniken
erlernen wie Tai-Chi, aktive Muskelentspannung oder Meditation. Wie Sie Ihre
Energiespeicher füllen, ist Ihnen überlassen. Wichtig ist, dass Sie
sich mit der Methode wohlfühlen. “Nur dann können Sie Kontinuität
aufbauen und die Tür zu Ihrem Energie-Potenzial öffnen", sagt
die Berliner Expertin. Dass Entspannungsübungen tatsächlich helfen,
weiß auch Adem Kapur: “Sie wirken auf die Psyche und bringen uns
wieder in geistigen Gleichklang.“
5. Zu viel Energie abbauen
Wenn Menschen der Kragen platzt oder Ihnen ständig schlechte Erinnerungen
hochkommen, ist das ein klares Zeichen dafür, dass etwas unbedingt rausmuss.
Wie die Lava bei einem Vulkanausbruch. Um nicht aus heiterem Himmel zu explodieren,
sollte man überschüssige Kraft abbauen. Tut man das nicht, können
sich negative Energien sammeln. Das drückt nicht nur auf die Stimmung,
sondern kann auch körperliche Folgen wie Entzündungen haben. Auch
hier hilft zunächst die richtige Atemtechnik. Lassen Sie die Wut beim
Ausatmen regelrecht aus dem Körper fliegen. Noch effektiver: Sport! Boxen,
Kicken, Laufen - Hauptsache kraftvoll. Ist Ihr Energie-Level wieder auf normal,
gönnen Sie sich eine entspannende Pause wie beim Body-Scan (Schritt 2).
6. Energy-Tools turnen an
Der Markt sogenannter Energy-Tools (Energie-Werkzeuge) boomt. Es gibt Kosmetik
mit energetisiertem Wasser, Matratzenauflagen mit Magneten, Mineralwasser mit
einer Extra-Portion Sauerstoff. Christa Traczinski: “Energy-Tools können
den Körper dabei unterstützen, sich zu entspannen, zu entstressen
oder zu reinigen.“ Viele dieser Tools sind allerdings recht kostspielig
und nicht jeder springt auf die versprochene Wirkung an. Aber es gibt auch
günstige Tools, etwa ätherische Düfte, die beim Entspannen helfen
(Lavendel, Vanille), prickelnde Badezusätze, die die Lebensgeister wecken.
Tipp von Sonja Schlüter, Feng Shui-Expertin aus Emmering bei München:
Eine Dusche mit Meersalz (gibt¹s fertig als Gel). “Es reinigt den
Körper von negativer Energie, man fühlt sich ganz leicht.“
7. Energy-Food gibt Kraft
Dass Nahrung dem Körper lebenswichtige Energie spendet, weiß jeder.
Dass manche Lebensmittel wertvoller sind als andere, auch. Und trotzdem stehen
Fast Food, Konserven und Fertiggerichte hoch im Kurs. Dabei leuchtet jedem
ein, dass eine Kartoffel vom Bio-Hof hochwertigere Nährstoffe enthält
als ihre konservierte Schwester im Glas. “Neben den Nährstoffen
liefert naturbelassene Nahrung aber noch viel mehr“, sagt Ernährungswissenschaftlerin
Erika Pohl vom Institut für Energologie. Lebensmittel können unsere
Energiebalance fördern. Unsere Zellen haben eine bestimmte Schwingung.
Kommt die - etwa durch Stress- aus dem Takt, ist der Energiefluss blockiert.
Naturbelassenes Obst, Gemüse, Getreide hat ebenfalls einen bestimmten
Rhythmus und gibt unseren Zellen quasi einen Schubs. Fertigprodukte, raffinierter
Zucker oder viele Salze haben diesen Effekt nicht. Im Gegenteil: Sie können
die Schwingung blockieren.
8. High mit Energy-Kicks
In der Mittagspause neue Kraft tanken? Kein Problem! Das beste Mittel ist
ganz simpel: raus an die Luft. Machen Sie einen flotten Spaziergang und achten
Sie - Sie ahnen es - bewusst auf Ihren Atem. Tief und gleichmäßig
soll er sein. Unter Stress atmen wir nämlich unbewusst viel flacher, nehmen
zu wenig Sauerstoff auf und geben zu wenig verbrauchte Energie ab.
In den USA und England voll im Trend: Energie-Tankstellen wie die Londoner “Energy-Bank",
eine Oase mitten in der City, durchgestylt nach den Grundsätzen des Feng
Shui. Hier finden gestresste Menschen zwischendurch Entspannung und Klarheit
bei Massagen oder Atemübungen. Kosten für eine “Session“:
umgerechnet ab ca. 21 Mark (30 Minuten). Im späten Frühjahr 2002
soll eine Energy-Bank auch nach Deutschland (voraussichtlich Hamburg oder München)
kommen.
9. Energie-Zone zu Hause
Sie wünschen sich zu Hause einen Kraftort zum Relaxen und Auftanken?
Feng-Shui-Expertin Sonja Schlüter verrät, wie¹s geht: Suchen
Sie sich einen Platz im Osten der Wohnung. Umgeben Sie sich mit Dingen, die
für Sie Ruhe und Kraft symbolisieren, zum Beispiel ein Bild von einem
Sonnenuntergang oder einem Wasserfall. Steine, Kerzen und frische Blumen spenden
zusätzlich Energie. Mit Accessoires in Gelb und Orange (Kissen, Tischdecken)
holen Sie auch an trüben Tagen die Sonne ins Haus.
Na, Lust bekommen auf eine Portion Extra-Power? Dann starten Sie durch! Sie
finden neun Schritte für den Anfang etwas reichlich? Beginnen Sie einfach
mit dem Punkt, der Ihnen am besten gefällt. Und bald haben Sie die Energie
für die nächsten acht - garantiert!
 |
FÜR SIE 22/01 Zuerst veröffentlicht
in:
FÜR SIE 22/01
Push-up für die Seele
Herausgeber: Jahreszeiten Verlag GmbH |
|