KREATIVITÄT - EIN INDIKATOR FÜR ENTWICKLUNG UND ERFOLG
Anregungen für eine zeitgemäße Unternehmens- und Mitarbeiterführung
durch Kreativität
Von Martina Kaiser, Kulturpäd., freie Journalistin., wiss. Mitarbeiterin
im Forschungsprojekt Kreativität und Energologie, Hannover
Kreativität ist ein unerschöpfliches Potential, das Ihnen helfen
kann, in der heutigen Zeit als Mensch im Unternehmen und als Unternehmen mit
der allgemeinen Entwicklung Schritt zu halten. In der letzten Ausgabe von ampuls
konnten Sie Kreativität kennenlernen als eine Fähigkeit, neue Wege
zu beschreiten und Altes hinter sich zu lassen, als eine schöpferische
Kraft. Sehr häufig ist die individuelle Kreativität ein brachliegendes
Potential, das im Unternehmen nicht ausgeschöpft oder gar unterdrückt
wird.
Die rasante technologische Fortentwicklung einerseits und die unaufhaltsam
fortschreitende Globalisierung andererseits fordern jedoch von uns als Individuen
und von Unternehmen verschiedenster Art und Größenordnung immer
mehr Fähigkeiten, wenn wir erfolgreich sein wollen. Da jeder Mensch in
sich kreative Fähigkeiten trägt, die er in allen Lebenslagen für
sich und seine Unternehmungen sinnvoll nutzen kann – vorausgesetzt er
hat sich einen Zugang dazu verschafft, gelernt, sie zu entfalten und konstruktiv
für sich und die Gestaltung seines Lebens einzusetzen –, stellt
sich nun die Frage: Wie können wir dieses Potential im Berufsleben nutzen,
um Schritt halten zu können und mehr Erfolg und Lebensqualität zu
erreichen?
Die Atmosphäre zählt
Ich will hierzu zwei Ebenen ansprechen, die in einer direkten Wechselbeziehung
zueinander stehen: Zum einen das Unternehmen, der Betrieb in seiner Gesamtheit
und zum anderen der Mensch, das Individuum innerhalb des Betriebs. Beide Ebenen
bedingen sich in Bezug zur Entfaltung von Kreativität gegenseitig. Was
bedeutet das? In einem Unternehmen, in dem eine Atmosphäre überwiegt,
in der Kreativität erwünscht ist, in dem Strukturen vorhanden sind,
die kreative Prozesse ermöglichen oder diese sogar potenzieren, in einem
solchen Unternehmen wird natürlich die Kreativität der einzelnen
Mitarbeiter viel leichter zum Ausdruck kommen können, als in einem Betrieb,
wo das nicht der Fall ist. Umgekehrt ist es auch so, daß kreative Mitarbeiter,
deren Engagement nicht verhindert wird, immer auch für eine Veränderung
der Strukturen und der Atmosphäre sorgen werden.
Erproben Sie neue Wege
Mit dem Bewußtsein zu diesen beiden Ebenen kann schon einiges erkannt
und bewirkt werden: Wenn wir zunächst die Ebene des Betriebs in seiner
Gesamtheit für sich betrachten, dann kann man deutlich sagen: Je mehr
hierarchische Strukturen eine Rolle spielen und je verkrusteter die Strukturen
sind, desto weniger ist Kreativität möglich. Das Resultat lautet
dann oftmals "Stagnation". Die wirtschaftliche Situation zeigt z.Z.
deutlich, daß es elementarer Veränderungen bedarf, damit Unternehmen
in dieser Zeit lebensfähig sind und bleiben und sich in die Lage versetzen,
neue Strukturen zu schaffen, die regenerierungsfähig sind. Ein erster
Schritt in Richtung Auflockerung kann hier z.B. getan werden, indem man durch
themenorientierte Projektgruppen, in denen alle Ebenen gleichberechtigt vertreten
sind, hierarchiefreie Räume schafft und sich in diesen erprobt.
Angst verhindert Kreativität
Wo überwiegend Angst herrscht (was Hierarchien häufig kennzeichnet),
ist Kreativität nicht wirklich möglich. In einer freundlichen Atmosphäre,
einer Atmosphäre gegenseitiger Achtung und Akzeptanz auf allen Ebenen,
kann Kreativität sich leichter entfalten. Wenn ich befürchten muß,
meinen Job zu verlieren, verurteilt oder auch nur nicht ernst genommen zu werden,
wenn ich neue Ideen, kreative Ansätze zur Verfügung stelle, dann
habe ich wenig Möglichkeiten, Kreativität zu entfalten.
Verkrustete Strukturen verhindern die der Kreativität innewohnende Dynamik.
Ein kreativer Prozeß ist immer ein sehr dynamischer Prozeß, der
sich in einem festgefahrenen hierarchischen System naturgemäß nicht
ohne weiteres entwickeln kann.
Was Sie für sich tun können
Wenn Sie in Ihrem Betrieb überwiegend mit vergleichbaren Strukturen konfrontiert
sind und sich Veränderungen wünschen, empfiehlt es sich sehr, daß Sie
zunächst etwas für sich tun (und damit sind wir bei der zweiten Ebene:
Das Individuum im Unternehmen). Die Chancen auf Erfolg sind erheblich größer,
wenn Sie zunächst mit Veränderungen bei sich beginnen, als wenn Sie
das ganze Unternehmen umkrempeln wollen oder versuchen, Ihre Mitarbeiter zu
verändern – das ist meist ein hoffnungsloses Unterfangen, wenn Sie
die Veränderung nicht zuvor sichtbar vorleben; denn die Kreativität
des Einzelnen nährt die Kreativität des Unternehmens!
Angst ist auch hier der größte Feind der Kreativität und Ihr
schlechtester Berater. Die Ängste, die wir leben, werden genährt
durch eine Kraft in uns, die allem Schöpferischen entgegenwirkt, eine
destruktiv ausgerichtete Kraft. Die Wissenschaft der Energologie benennt sie
als "Destrudo" (1). Sie spricht mit der "Stimme der Kritik" (1)
zu uns – wie sie in der modernen Kreativitätsforschung der Psychologie
genannt wird. Diese Stimme wirkt im kreativen Prozeß vernichtend. Wenn
Sie gerade dabei sind, eine neue, ganz besondere Idee zu entwickeln, dann spricht
diese Stimme: "das ist unrealistisch", "ich mache mich lächerlich", "keiner
glaubt, daß das von mir ist", "alle werden denken, ich will
mich hervortun", "das schaffe ich nicht", "wer bin ich
schon, daß ich so etwas vorschlagen könnte" etc. etc. Das zarte
Pflänzlein der kreativen Idee verkümmert auf der Stelle.
Kreativität bewußt gestalten
Wenn Sie das verändern wollen, dann ist es wichtig, daß Sie einen
bewußten Umgang mit Ihren Ängsten erlernen, um nicht von ihnen unbewußt
beherrscht zu werden. Üben Sie ruhig, alleine kreative Prozesse bewußt
zu gestalten. Dazu empfiehlt es sich zunächst, "Die Stimme der Kritik" aufzufordern,
zu schweigen. Nun haben Sie die Möglichkeit, alle (!!!) Ideen und Gedanken,
die Ihnen zu Ihrer Themenstellung in den Sinn kommen, zu sammeln. Ausnahmslos!
Nichts ist verboten! Wenn sich der Destrudo doch einmischt, dann sollten Sie
ihn freundlich registrieren, erneut auffordern, zu schweigen und vor allem
nicht auf ihn hören. Dann haben Sie gute Chancen, Ihren kreativen Prozeß fortzuführen.
Ideen und Gedanken sammeln können Sie in einem Brainstorming oder z.B.
in Form von einem "Cluster" (3), einer Methode aus dem kreativen
Schreiben, die der kreativen Ideenbildung sehr entgegenkommt.
Das Cluster:
Nehmen Sie ein großes Blatt Papier. Beginnen Sie im Zentrum Ihres Blattes
mit einem Begriff, der das Thema, das Sie bearbeiten wollen, beschreibt. Bilden
Sie dann - von dort ausgehend - Assoziationsketten, in denen Sie alle Gedanken
nacheinander aufreihen, die Ihnen dazu einfallen. Jeder Begriff bekommt seinen
eigenen Raum in Form eines Kringels oder Wölkchens und wird durch einen
Pfeil dynamisch mit dem darauffolgenden verbunden. Ist eine Assoziationskette
ausgeschöpft, beginnen Sie, vom zentralen Begriff ausgehend, eine neue;
fahren Sie damit solange fort, bis Ihnen nichts mehr einfällt. Beschränken
Sie sich während des Prozesses nicht, schreiben Sie ruhig alles nieder,
was Ihnen einfällt (die „Stimme der Kritik“ hat Pause). Lassen
Sie Ihren Gedanken freien Lauf – alles ist erlaubt! Der Prozeß der
Korrektur folgt erst im Anschluß.

Wenn Sie alle Gedanken und Ideen gesammelt haben, ist nun eine kritische Analyse
als nächster Schritt durchaus sinnvoll, allerdings sollten Sie sich hier
auch von einer konstruktiven Ausrichtung leiten lassen und keinesfalls von
Angst. Mit Hilfe der "Stimme der Vernunft" können Sie schauen,
welche Schritte – vom aktuellen Ist-Zustand ausgehend –, tatsächlich
realisierbar sind, um neue Entwicklungen einzuleiten.
Literaturangaben:
1. Kapur, Adem: „Die Symbiose Mensch“, Archiv des Instituts für
Energologie, Hannover 1994.
2. Goleman, Daniel/ Kaufman, Paul/ Ray, Michael: „Kreativität entdecken“,
dtv, München 1999.
3. Rico, Gabriele: „Garantiert schreiben lernen: Sprachliche Kreativität
methodisch entwickeln – ein Intensivkurs auf der Grundlage der modernen
Gehirnforschung“, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1996. Zuerst veröffentlicht in:

Nr. 19, 3. Quartal 1999
Beratungsansätze und Beiträge für Menschen, Teams, Unternehmen
Herausgeber: SHLSonja
Herzog-Lang Vitale Organizationen
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