GESPRÄCHE FÜHREN
Eine notwendige Kompetenz, nicht nur von Führungskräften
Von Seda Akgül, wiss. Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Erwachsenen-Pädagogik
und Energologie, Hannover
Ein konstruktiv gestaltetes Gefühl, eine klare Ausrichtung des Gesprächs,
eine klare Gedankenführung im Gespräch und eine bewußte Wahrnehmung
der Wirkung von Körper und Sprache sind die mögliche Basis einer
Gesprächsgestaltung.
In Workshops und Seminaren höre ich von Teilnehmern häufig, daß in
ihrem Arbeitsalltag viel geredet wird, aber wenig dabei „rumkommt.“
Dabei ist es jedem ein Anliegen, harmonische, sichere und effiziente Gespräche
mit Führungskräften, Mitarbeitern oder Kunden führen zu können.
Oft wird leider übersehen, daß der, der kommuniziert, für den
Gesprächsverlauf, was er kommuniziert und wie er es kommuniziert, verantwortlich
ist.
Am Anfang eines Gespräches ist es notwendig zu prüfen, ob eine bewußte,
wirkliche Entscheidung für eine Kommunikation erfolgt ist. Ein Gespräch
lebt vom gemeinsamen Interesse der Gesprächspartner.
Das Gespräch und das Gefühl
Ein wesentliches Element, welches Sie immer in ein Gespräch einbringen,
ist Ihr individuelles (Mit-) Gefühl. Ob am Telefon oder im direkten Kontakt,
Ihr Gesprächspartner wird sehr schnell merken, ob Sie gerade ärgerlich,
im Streß oder fröhlich und ausgeglichen sind. Alles hat eine (Aus-)
Wirkung.
Ein konstruktiv ausgerichtetes Gefühl in Ihnen, wie z.B. Wertschätzung,
Freude oder Vertrauen, gibt Ihnen Stabilität und Selbstbewußtsein
- eine gute Basis, um eine wirkungsvolle Vermittlung und Kommunikation zu gestalten.
Ein konstruktives Gefühl hat auch eine Leichtigkeit, die so manch schweres
Thema schnell entwirrt und zu klaren Fakten verhilft.
Destruktiv ausgerichtete Gefühle, wie z.B. Ärger, Wut, Angst oder
Enttäuschung, können die Gesamtausrichtung des Gespräches wesentlich
beeinflussen. Sie sind wie Blockaden und machen einen wirklichen Austausch
auf der rationalen, sachlichen Ebene unmöglich. In einem Gespräch
werden also nicht nur Worte ausgesendet und angenommen, sondern auch Gefühle
und visuelle Wahrnehmungen, die häufig unbewußt aufgenommen werden.
Deshalb ist es empfehlenswert, daß Sie selbst vor einem Gespräch
wahrnehmen und reflektieren, welches Gefühl Sie selbst gerade haben, um
für sich einen bewußteren Umgang mit diesem zu gestalten. Prozesse,
die Sie vor dem zu führenden Gespräch z.B. in ein Gefühl des Ärgers
geführt haben, sollten Sie abschließen, um in einer neuen Ausrichtung
frisch ans Werk zu gehen.
Das Gespräch und die Gedanken
Bevor Sie ein Gespräch führen, ist es empfehlenswert, daß Sie
sich die Zeit nehmen für die Überprüfung und Formulierung dessen,
was Sie mit dem oder in dem Gespräch erreichen wollen.
Um etwas erreichen zu wollen, muß man ja erst einmal wissen, was man
will. Dafür ist es notwendig, eine Ist-Analyse zu machen:
- Was war?
- Was ist der momentane Ist-Zustand? (Fakten - keine Vermutungen!)
- Wo will ich hin? bzw. Was soll sein? Was will ich verändern?
Wenn Sie ein Gespräch mit einer klaren Ausrichtung starten, ist die Möglichkeit
gegeben, am Ende des Gespräches ein eindeutiges Resümee zu ziehen
und Ergebnisse zu erzielen.
Eine klare Ausrichtung und eine klare Gedankenführung sind eine Voraussetzung
für Klarheit in der Kommunikation. Das bedeutet auch klare, eindeutige,
konstruktiv ausgerichtete Formulierungen im Gespräch, die unmißverständlich
bei dem Empfänger ankommen. Lassen Sie Ihren Gesprächspartner nicht
erraten oder erahnen, was Sie meinen. Sie sind für das, was Sie senden,
verantwortlich. So sollten Sie immer überprüfen, ob Ihr Gesprächspartner
das, was Sie gesendet haben, auch tatsächlich so empfangen hat.
Es ist nützlich, z.B. Vereinbarungen, Entscheidungen oder Fakten auf einem
Flipchart zu visualisieren oder evtl. ein Ergebnispapier zu gestalten. Nach
Möglichkeit sollten nicht nur die Entscheidungen festgehalten werden,
sondern auch die Verantwortlchen für die Umsetzung dieser vereinbart sein.
Wenn Sie im Gespräch etwas nicht verstanden haben, ist es sinnvoll, lieber
gleich nachzufragen und nicht lange damit zu warten. Es ist keine Blöße,
die Sie sich geben, sondern ein ernsthaftes Bekunden Ihres Interesses an der
Kommunikation.
Das Gespräch und der Körper
Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Handbewegungen, permanentes Fußschaukeln,
Anlehnen an Tisch oder Stuhl, immer wiederkehrende Bewegungen, wie z.B. mit
den Fingern durch die Haare fahren oder am Pulli zupfen - alles wird vom Gesprächspartner
wahrgenommen und hinterläßt einen Eindruck, bewußt oder unbewußt,
und wird gespeichert.
Meistens bleibt es nicht nur bei der Wahrnehmung dessen, sondern wird vom Gesprächsteilnehmer
interpretiert und in eine bestimmte Kategorie einsortiert. Wer weiß,
wo man da landet! Wichtig ist auf jeden Fall, daß man sich eine Möglichkeit
schafft, sich diesbezüglich reflektieren zu lassen, um sich in seiner
gesamten Kommunikation zu optimieren.
Ein weiteres Element auf der Körperebene ist die Sprache. Eine noch so
gute inhaltliche Vorbereitung kann durch eine z.B. undeutliche, zu leise, genuschelte
Sprache sehr einschläfernd wirken und die Aufmerksamkeit der Zuhörer
mächtig einschränken. Das sind nur einige von vielen Aspekten in
der Kommunikation.
Wie wirken Sie? Zuerst veröffentlicht in:

Nr. 18, 2. Quartal 1999
Beratungsansätze und Beiträge für Menschen, Teams, Unternehmen
Herausgeber: SHLSonja Herzog-Lang Vitale Organizationen
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